FachtagungenDeBeSS bietet regelmäßig Fachtagungen an, die Ehren- und Hauptamtliche, sehbehinderte und sehende Menschen, Alt und Jung aus verschiedenen religiösen Hintergründen zu einem Thema versammeln.

Alle zwei Jahre im Februar steht eine Fachtagung an.
Die nächste Fachtagung ist für den Februar 2021 in Planung.

Folgende Themen haben uns schon beschäftigt:

„Hast Du schon die App oder verlässt Du dich noch auf Menschen?“

Vierte Fachtagung von DeBeSS zum Thema Assistenz in Augsburg (Februar 2019)

Moderne Technik macht vieles möglich, so dass blinde und sehbehinderte Menschen die Chance auf ein selbständiges und unabhängiges Leben haben. Und trotzdem sind menschliche Assistenz und Begleitung bei der Mobilität, am Arbeitsplatz und in der Freizeit auch weiterhin Alltag von vielen behinderten Menschen.

Bei der Fachtagung des Dachverbandes der evangelischen Blinden- und evangeli­schen Sehbehindertenseelsorge (DeBeSS) vom 22. – 24. Februar 2019 in Augsburg wurde darüber unter dem provozierenden Titel „Hast Du schon die App oder verlässt Du dich noch auf Menschen?“ diskutiert. 50 Teilnehme­rinnen und Teilnehmer im Alter von 17 – 73 Jahren fragten sich: Was ist eigentlich Assistenz? Wie weit können technische Hilfsmittel nützlich sein, ohne sich selbst zu überfordern? Und was bedeutet es für einen Menschen, dauerhaft auf Hilfe und Unterstützung durch andere Menschen angewiesen zu sein?

Zur Fachtagung eingefunden hatten sich Expertinnen und Experten in eigener Sache. Gemeinsam am Thema arbeiteten Menschen, die ehrenamtlich oder haupt­amtlich als Assistenz tätig sind, und blinde und sehbehinderte Frauen und Männer, die selbst Assistenz benötigen. Aus verschiedenen Blickwinkeln wurde das komplexe Themenfeld angegangen. Der Jurist Christian Seuß nahm dabei die gesetzliche Lage in seinem Referat in den Blick. Die Wissenschaftlerin Dr. Birgit Drolshagen berichtete aus ihrer Forschungsarbeit, bei der die Hintergründe und Strategien sehbehinderter Menschen zur Deckung ihres Unterstützungsbedarfs untersucht wurden.

Sechs Workshops vertieften das Thema Assistenz und boten Raum für den intensi­ven Austausch. Es wurde nach der Motivation von Menschen gefragt, warum sie anderen helfen, und der Frage nachgegangen, was eine Ausbildung für Assistenzen zur Vorbereitung enthalten sollte. Die Zukunft der assistiven Technologien, ihr Fluch und Segen, waren im Fokus. Und unter dem Statement „Mein Lohn ist, dass ich dienen darf“ wurde die christliche Nächstenliebe ins Gespräch gebracht.

Die anwesenden Blindenführhunde hätten eigentlich ihren eigenen Workshop haben müssen, da auch sie Helfer sind und Assistenz leisten. Doch sie nutzten den intensi­ven Austausch der Menschen lieber zu einem kleinen Schläfchen.

Ein wichtiges Ergebnis der gemeinsamen drei Tage war, dass eine offene Kommuni­kation auf Augenhöhe dringend notwendig ist. Menschen, die Assistenz benötigen, müssen lernen, klar und deutlich zu formulieren, was sie wann und wie benötigen, damit sie selbstbestimmt ihr Leben leben können. Aber auch Menschen, die andere begleiten und unterstützen, müssen sich über ihre Rolle und Aufgaben bewusst wer­den. Das klingt einfach, ist aber nicht immer leicht. Andere zu unterstützen, angewie­sen zu sein auf Hilfe, das ist auch ein Thema, bei dem die eigenen Emotionen nicht außen vor bleiben. Trotz der offenen verständnisvollen gemeinsamen Arbeit waren auch Wut und Trauer spürbar, die sich auch auf die noch immer nicht ausreichende gesellschaftliche Unterstützung richteten.

Und so war die gesungene Bitte im Abschlussgottesdienst – „Du, Gott, stützt mich, du, Gott, stärkst mich, du, Gott, machst mir Mut.“ – auch ein Hilferuf, dass mit Gottes Begleitung das, was uns Menschen allein nicht gelingt, auf einen guten Weg gebracht werden kann.

Bei der intensiven Arbeit durfte aber auch die Entspannung nicht fehlen. Ein Kon­zertabend mit der Folkband Kwaerthon brachte alle zusammen, es wurde geklatscht, mitgesungen und getanzt. Und im Anschluss an das Konzert gab es sogar die Gele­genheit, die außergewöhnlichen Instrumente ausführlich zu befühlen. Bei einem Rundgang in und um die Kirche St. Anna sowie einem Besuch im Brauhaus wurde die Stadt Augsburg erforscht.

Eine gelungene Fachtagung, die alle mit neuen Einsichten, Ideen und Aufgaben nach Hause entsandte. Und so war der Abschied am Sonntag begleitet von den Worten – wir sehen uns wieder bei der nächsten Fachtagung von DeBeSS im
Jahr 2021!

„Aufgeben kann ich auch noch morgen!“

Dritte Fachtagung von DeBeSS über Strategien zur Bewältigung von Behinderung (Februar 2017)

Wie gehe ich damit um, dass ich schlechter sehe? Was kann Menschen helfen, deren Augenlicht langsam verschwindet? Wie bewältigt man Erblindung? Diese Fragen beschäftigten die 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der dritten Fachtagung des Dachverbandes der evangelischen Blinden- und evangelischen Sehbehindertenseelsorge (DeBeSS in Mainz.

Der Theologe und Pfarrer Rainer Schmidt lenkte den Blick der Teilnehmenden in seinem Impuls auf die biblischen Heilungsgeschichten. Aber nicht das Gesundwerden, die momentane Heilung, die jederzeit durch neue Ereignisse oder Krankheit wieder beendet werden kann, ist aus seiner Sicht dabei die Zielrichtung der Geschichten. Sondern im Vordergrund steht, dass der Mensch heil wird, indem er Beziehungen zu anderen Menschen und zu Gott aufnimmt.

Die Psychologin und Psychotherapeutin Svenja Erzgraber aus München brachte in ihrem Beitrag den Teilnehmenden psychologische Sichtweisen nahe. Es wurden Strategien entwickelt, die gleich im Rollenspiel ausprobiert werden konnten. Es zeigte sich dabei, dass die Beratenden auch die eigene Hilflosigkeit ertragen lernen müssen. Zur Bewältigung von Behinderung gehört es auch, gemeinsam Trauer und Angst auszuhalten, bevor mit Hilfen und Tipps neue Perspektiven gegeben werden können.

Zum Glück zeigte Rainer Schmidt, der auch Kabarettist ist, dass auch der Humor eine gute Strategie ist, mit seiner Behinderung umzugehen. In seinem Kabarettprogramm plauderte er launig über skurrile Situationen, die er als behinderter Mensch selbst erlebt hat. So wurde nicht nur befreiend gelacht, sondern zugleich erlebten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen sich leidenschaftlich für Inklusion einsetzenden Menschen.

Mit einem bewegenden Gottesdienst ging die Tagung am letzten Tag zu Ende. Drei selbst betroffene Pfarrerinnen und ein Pfarrer brachten ihre persönliche, von der Sehbehinderung geprägte Lebensgeschichte in Beziehung zu Gottes Zusage „Fürchte dich nicht. Ich bin mit dir.“

Alt, jung, seh-, hör- oder gehbehindert, evangelisch, katholisch, haupt- oder ehrenamtlich in der Kirche tätig – all das spielte bei der Fachtagung keine Rolle! Es wurde in dieser großen Vielfalt gearbeitet und gemeinsam nach Lösungen gesucht. Und nur die Führhunde schliefen, während die Menschen ein Stück inklusive Kirche lebendig werden ließen.

Die Kunst der Seelsorge

Zweite Fachtagung von DeBeSS mit Prof. Dr. Anne Steinmeier in Magdeburg (Februar 2015)

Ganz im Zeichen der Orientierungshilfe des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland „Es ist normal verschieden zu sein. Inklusion leben in Kirche und Gesellschaft“ fand vom 27. – 28. Februar 2015 die zweite Fachtagung von DeBeSS statt. In Magdeburg konnte man schon inklusive Gemeinschaft erleben, da hier blinde, sehbehinderte und sehende Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam gearbeitet haben.

Zum Thema der Tagung „Seelsorge – oder was berührt die Leib-Seele“ gestalteten Frau Prof. Dr. Anne Steinmeier vom Institut für Systematische Theologie, Praktische Theologie und Religionswissenschaft der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Herr Pfarrer Volker Lang, Klinikseelsorger im Zentrum für Psychiatrie Emmendingen und Supervisor DGfP zwei gefüllte Tage. Ansatz war nach Quellen für Leib und Seele zu suchen, die uns tragen, wenn Brüche das Leben erschüttern.

„Unsere leibliche Existenz bildet den Boden und den Horizont aller Bezüge zur Welt. Zu den Menschen, zu uns selbst, zu Gott“, so referierte Prof. Dr. Anne Steinmeier. „Die Zwischenleiblichkeit, die Begegnung von Mensch zu Mensch, in ihr passiert etwas, da passiert ein Drittes. Diesen Erfahrungsraum des Dritten zulassen, sich darauf einlassen, das gehört entscheidend zur Seelsorge“, so die Referentin.

Und dies erfuhren die Teilnehmenden nicht nur durch Zuhören. Wenn ich etwas tue, dann kommt mir etwas entgegen – das konnte in den gestalterischen Einheiten, im gemeinsamen Bewegen, im Tanz, beim Schreiben, im Gestalten mit Ton und in der Auseinandersetzung mit Kunstwerken erfahren werden. So begegneten sich im Magdeburg ganz verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Gaben, Haupt- und Ehrenamtliche aus den verschiedenen Landeskirchen suchten nach diesem Dritten. Und so war die Fachtagung eine große experimentelle Werkstatt, nach der die Teilnehmenden mit vielen neuen Erfahrungen und neuer Inspiration nach Hause reisten, aber auch mit Fragen, die sie weiter in ihrer Seelsorgearbeit bewegen werden.

Das Fazit von Frau Prof. Dr. Steinmeier lautete am Ende: „Eine visuelle und kognitive Kirche allein ist zu wenig. Es braucht eine gabenorientierte Seelsorge.“ Und dies konnte bei dieser inklusiven Veranstaltung schon erlebt und geübt werden.

„Zwischen Nestwärme und Aufbruch. Inklusion in der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge“

Fachtagung DeBeSS (Februar 2013)

Vom 22. – 23. Februar 2013 hat DeBeSS in Hannover eine Fachtagung zum Thema „Zwischen Nestwärme und Aufbruch – Inklusion in der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge“ durchgeführt. Es trafen sich 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Austausch, die ehren- oder hauptamtlich in den Arbeitsbereichen der Landeskirchen tätig sind. Vertreten waren dabei Mitarbeitende aus 14 Landeskirchen der EKD, ein Mitarbeiter der Katholischen Behindertenpastoral sowie weitere am Thema interessierte Menschen. Ein Stück Inklusion war dabei erlebbar, denn sehende, blinde, sehbehinderte und schwerhörige Menschen tauschten sich gemeinsam zur Thematik aus.

Am ersten Tag der Fachtagung führten Impulse von außen die Teilnehmenden ins Thema ein. Andreas Bethke, Geschäftsführer des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e.V. (DBSV), sprach zum Thema „Inklusion und BRK – Auswirkungen auf die Arbeit in der Selbsthilfe“. Ingrid König, Gemeindepädagogin, Mitautorin der Orientierungshilfe „Da kann ja jede(r) kommen. Inklusion und kirchliche Praxis“ der rheinischen Kirche sowie Verantwortliche für die inklusive Arbeit der ev. Kirchengemeinde Meckenheim, nahm die Teilnehmenden mit von der Theorie in die Praxis mit dem Thema: „Auf dem Weg zur Inklusiven Kirche – Auswirkungen auf den kirchlichen Alltag“.

Am zweiten Tag wurde über die Auswirkungen der Inklusion auf die Arbeit in der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge gesprochen. Arbeitsgruppen diskutierten, welches die eigenen Zukunftsaufgaben sind und wie Anstöße zur Veränderung landeskirchlicher Strukturen gegeben werden können. Auch ganz konkrete kleine Schritte zur inklusiven Kirche wurden dabei formuliert. Der Blick fiel dabei nicht nur auf Barrierefreiheit von Gebäuden und Gemeindeinformationen, sondern auch auf die einladende Gestaltung unserer Gottesdienste. Wichtig war dabei allen Teilnehmenden, dass die Blinden- und Sehbehindertenseelsorge ihre Fachkompetenz in diesen Prozess einbringen muss. Kirchengemeinden, diakonische Einrichtungen und Gremien sollen beraten und begleitet werden, besondere Medien und Hilfsmittel müssen bereitgestellt werden und betroffene Menschen sollen gestärkt werden, an allen Orten die Kirche mitzugestalten.