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Darstellung eines Gesichts mit geschlossenen Augen und Seeufer im Hintergrund; Schriftgrafik: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; aber Gott sieht das Herz an. (Sam. 16,10)

Inklusion

Was versteht man unter Inklusion und was ist die Behindertenrechtskonvention?

Zu dem Begriff Inklusion findet sich bei Wikipedia eine gute Erklärung:

„Die Forderung nach Sozialer Inklusion ist verwirklicht, wenn jeder Mensch in seiner Individualität von der Gesellschaft akzeptiert wird und die Möglichkeit hat, in vollem Umfang an ihr teilzuhaben bzw. teilzunehmen. Unterschiede und Abweichungen werden im Rahmen der sozialen Inklusion bewusst wahrgenommen, aber in ihrer Bedeutung eingeschränkt oder gar aufgehoben. Ihr Vorhandensein wird von der Gesellschaft weder in Frage gestellt noch als Besonderheit gesehen. Das Recht zur Teilhabe wird sozialethisch begründet und bezieht sich auf sämtliche Lebensbereiche, in denen sich alle barrierefrei bewegen können sollen.

Inklusion beschreibt dabei die Gleichwertigkeit eines Individuums, ohne dass dabei Normalität vorausgesetzt wird. Normal ist vielmehr die Vielfalt, das Vorhandensein von Unterschieden. Die einzelne Person ist nicht mehr gezwungen, nicht erreichbare Normen zu erfüllen, vielmehr ist es die Gesellschaft, die Strukturen schafft, in denen sich Personen mit Besonderheiten einbringen und auf die ihnen eigene Art wertvolle Leistungen erbringen können.“

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Inklusion

Eine zentrale Bedeutung hat der Begriff der Inklusion in dem Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen der Vereinten Nationen (Behindertenrechtskonvention - BRK). Die Behindertenrechtskonvention wurde 2006 bei der UNO-Generalversammlung in New York verabschiedet und trat 2008 in Kraft. Sie ist ein völkerrechtlicher Vertrag, der bereits bestehende Menschenrechte für die Lebenssituation behinderter Menschen konkretisiert, um ihnen die gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Der Vertrag wurde bis zum 30. Juni 2011 von 100 Staaten und der EU durch Ratifizierung, Beitritt oder formale Bestätigung abgeschlossen. Im Übereinkommen finden sich neben grundlegenden Teilen der allgemeinen Menschenrechte, wie z. B. dem Recht auf Leben oder dem Recht auf Freizügigkeit, viele spezielle Bestimmungen, die auf die Lebenssituation behinderter Menschen eingehen.

Seit 26. März 2009 ist die BRK geltendes Recht in Deutschland. Die Bundesregierung ist nach Art. 35 verpflichtet, über die Maßnahmen, die von Bund und Ländern zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen aus dem Übereinkommen getroffen wurden, Bericht zu erstatten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen das Leben mit Behinderung als normalen Bestandteil des menschlichen Lebens und der menschlichen Gesellschaft sieht. Inklusion statt Integration, das ist der neue Leitgedanke. Dies ist ein Perspektivwechsel, denn es geht nun um gleichberechtigte selbstbestimmte Teilhabe aller Menschen – nicht lediglich um Fürsorge für die anderen. Kein Mensch darf schlechter behandelt werden, weil er anders ist, es gelten für alle gleiche Rechte. So muss für Menschen mit Behinderungen alles zugänglich sein, ob es nun Gebäude sind, Freizeitaktivitäten oder Informationen. Und die UN-Konvention macht dieses Recht auf Teilhabe sogar einklagbar.

Die 11. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland hat bei ihrer 3. Tagung im November 2010 Beschlüsse getroffen, um am Thema Inklusion und Gemeindearbeit theologisch und praktisch zu arbeiten. Auch im Bereich der evangelischen Schulen ist die Inklusion ein Thema. Und außerdem sind natürlich alle Christinnen und Christen aufgerufen, sich an der Umsetzung der BRK auf kommunaler Ebene aktiv zu beteiligen.

Auch wir versuchen die Behindertenrechtskonvention im kirchlichen Bereich mit Leben zu füllen.

Es braucht noch viele Anstrengungen!

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„Es ist normal, verschieden zu sein“ - EKD Orientierungshilfe

 Die Orientierungshilfe des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unter dem Titel „Es ist normal verschieden zu sein. Inklusion leben in Kirche und Gesellschaft“ ist Anfang 2015 erschienen. Das Thema Inklusion wird hier in fünf Kapiteln entfaltet: Inklusion wird zunächst als Paradigmenwechsel beschrieben, dann werden theologische Orientierungen zur Inklusion vermittelt, grundlegende Aufgaben benannt und an verschiedenen Handlungsfeldern konkretisiert, um schließlich Chancen von Inklusion für Kirche und Gemeinde aufzuzeigen.

 Weitere Informationen zum Thema  auf dieser Homepage und unter www.ekd.de/inklusion-leben.

 Eine Hörausgabe können Sie über Medibus bei den Blindenhörbüchereien hier entleihen.

Achtung:

Zum Thema Inklusion hat es eine Fachtagung von DeBeSS gegeben. Hinweise dazu finden Sie hier auf der Homepage.

Links

Den Text der UN-Behindertenrechtskonvention finden Sie hier: Behindertenrechtskonvention