Direkt zum Inhalt dieser Seite

Darstellung von Händen im Gras; Schriftgrafik: Du bist ein Gott, der mich sieht. (1. Mose 16,13)

Jesus, der Inklusionsagent – Inklusion als ureigene Aufgabe der Kirche

Inklusion – Definitionen

„Jeder Mensch soll die gleichen Chancen haben, jeder Mensch darf an der Gesellschaft teilhaben und jeder Mensch darf für sich selbst entscheiden. Auch Menschen mit Behinderungen sollen die gleichen Rechte wie alle Menschen haben.“ (Behindertenrechtskonvention der UN in leichter Sprache)

„Es gibt 5 Worte, die den Paradigmenwechsel in Kirche und Gesellschaft kennzeichnen: Vom ‚Du nicht‘ der Separation über das ‚Du auch‘ der Integration sind wir jetzt auf dem Weg hin zum ‚Wir‘ sind alle beteiligt, der Inklusion.“ (Ingrid König, Gemeindepädagogin)

„Inklusion heißt ‚Vielfalt leben‘; das ist keine Kopfsache, sondern ein Gestaltungsauftrag, der die Teilhabe aller wirklich umsetzt.“ (Andreas Bethke, Geschäftsführer des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e.V.)

„Inklusion lässt sich theologisch im Stichwort der Gottesebenbildlichkeit des Menschen verorten. Jeder Mensch hat dadurch die gleiche Würde und den gleichen Wert. Inklusion bedeutet somit, dass es um gleichberechtigte Teilhabe aller geht. Nicht Engagement für andere, sondern das Miteinander, nicht eine barmherzige Geste, sondern die gemeinsame Gestaltung des gemeindlichen Lebens zeichnen eine inklusive Gemeinde aus.“ (Barbara Brusius, Theologische Referentin DeBeSS)

„Inklusion kann man nicht einfach verordnen. Es ist ein Prozess, bei dem die Haltung der Menschen in Kirche und Gesellschaft verändert werden muss. Dazu braucht es viele Begegnungen mit Menschen, die die eigenen Barrieren abbauen helfen.“ (Beitrag in der Diskussion mit Menschen mit Behinderung)

 „Zwischen Nestwärme und Aufbruch. Inklusion in der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge“ – Fachtagung DeBeSS (Februar 2013)

Vom 22. – 23. Februar 2013 hat DeBeSS in Hannover eine Fachtagung zum Thema „Zwischen Nestwärme und Aufbruch – Inklusion in der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge“ durchgeführt. Es trafen sich 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Austausch, die ehren- oder hauptamtlich in den Arbeitsbereichen der Landeskirchen tätig sind. Vertreten waren dabei Mitarbeitende aus 14 Landeskirchen der EKD, ein Mitarbeiter der Katholischen Behindertenpastoral sowie weitere am Thema interessierte Menschen. Ein Stück Inklusion war dabei erlebbar, denn sehende, blinde, sehbehinderte und schwerhörige Menschen tauschten sich gemeinsam zur Thematik aus.

Am ersten Tag der Fachtagung führten Impulse von außen die Teilnehmenden ins Thema ein. Andreas Bethke, Geschäftsführer des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e.V. (DBSV), sprach zum Thema „Inklusion und BRK – Auswirkungen auf die Arbeit in der Selbsthilfe“. Ingrid König, Gemeindepädagogin, Mitautorin der Orientierungshilfe „Da kann ja jede(r) kommen. Inklusion und kirchliche Praxis“ der rheinischen Kirche sowie Verantwortliche für die inklusive Arbeit der ev. Kirchengemeinde Meckenheim, nahm die Teilnehmenden mit von der Theorie in die Praxis mit dem Thema: „Auf dem Weg zur Inklusiven Kirche – Auswirkungen auf den kirchlichen Alltag“.

Am zweiten Tag wurde über die Auswirkungen der Inklusion auf die Arbeit in der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge gesprochen. Arbeitsgruppen diskutierten, welches die eigenen Zukunftsaufgaben sind und wie Anstöße zur Veränderung landeskirchlicher Strukturen gegeben werden können. Auch ganz konkrete kleine Schritte zur inklusiven Kirche wurden dabei formuliert. Der Blick fiel dabei nicht nur auf Barrierefreiheit von Gebäuden und Gemeindeinformationen, sondern auch auf die einladende Gestaltung unserer Gottesdienste. Wichtig war dabei allen Teilnehmenden, dass die Blinden- und Sehbehindertenseelsorge ihre Fachkompetenz in diesen Prozess einbringen muss. Kirchengemeinden, diakonische Einrichtungen und Gremien sollen beraten und begleitet werden, besondere Medien und Hilfsmittel müssen bereitgestellt werden und betroffene Menschen sollen gestärkt werden, an allen Orten die Kirche mitzugestalten.

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen sind hier stichwortartig angeführt:

AG 1: Rolle der Blindenseelsorge auf dem Weg zur Inklusion

Inklusion braucht Blindenseelsorge, dazu gehört:

  • Kompetente Beratung von Kirchengemeinden und kirchlichen Gremien und diakonischen Einrichtungen
  • Mitwirkung zur Barrierefreiheit bei Großveranstaltungen (Expertenwissen)
  • Beziehungsarbeit mit Betroffenen zu ihrer Stärkung
  • Informationsmittler für spezielle Angebote, Hilfsmittel und Medien
  • Gesprächspartner auf dem Weg zur Inklusion

AG 2: Blindenseelsorge zwischen kirchlichem Arbeitsfeld, Selbsthilfe und Gemeindeaufbau

Blindenseelsorge ist mehrdimensional / eine Querschnittsaufgabe:

  • Jeder Kirchengemeinderat, Kirchenvorstand sollte / muss eine/n Behindertenbeauftragte/n haben, weiterhin Beauftragte auf allen Ebenen (Kirchenkreis, Landeskirche).
  • Jeder Betroffene sollte seine Bedürfnisse artikulieren (können).
  • Blindenseelsorge sollte ein Netzwerk bilden mit der Selbsthilfe und den Gemeinden vor Ort.
  • Inklusion ist ein langwieriger Prozess, ist eine Arbeit an der Haltung – Jesus lebt es vor.
  • Wir brauchen beides: spezielle „Blindenangebote“ und Inklusion in den Gemeinden.

AG 3: Anstöße zur Veränderung der landeskirchlichen Strukturen

Ziel: Gemeinden, in denen alle willkommen sind.
Das kann man nicht verordnen. Inklusion ist eine Haltung, ist eine Sache von Kommunikation und Erfahrungen, heißt auch, füreinander da zu sein.
Selbstverpflichtung der Landeskirchen zur Unterstützung des Zieles.

Wir kommen dem Ziel näher:

  • Alle Menschen guten Willens (Inklusionsagenten) an einen Tisch – Sonderseelsorgen, Gemeinden u.v.m., hier beginnt die Kommunikation, von hier gehen Impulse aus
  • Sonderseelsorgen sollten sich bündeln
  • Und als Impulsgeber nutzen
  • Gemeinden mitnehmen in ihren Bedürfnissen (Kommunikation, Prozesshaftigkeit deutlich machen)
  • Gute Beispiele veröffentlichen, Presse
  • „Richtlinien“ von unten entwickelt muss es geben und sichert die Überprüfbarkeit

AG 4: Konkrete Schritte auf dem Weg zur Inklusion

Bauliche Maßnahmen:

  • Türen, die breit genug sind, dass zwei Personen gleichzeitig hindurch können
  • Türen, die sich automatisch öffnen, Schiebetüren bevorzugt
  • kontrastreiche Beschilderungen
  • gekennzeichnete Stufen
  • Handläufe, die zur Orientierung dienen, möglichst beidseitig
  • gekennzeichnete Türen
  • blendfreies Licht nach Bau-Norm
  • die Wege um die kirchlichen Einrichtungen mit Markierungen versehen

Öffentlichkeitsarbeit:

  • den Gemeindebrief in Großdruck oder Audioform
  • barrierefreies Internet

Gottesdienst:

  • für Gesangbücher in Großdruck sorgen (ca. 10 % der Gesangbücher)
  • evtl. auch je nach Bedarf eine Braille-Ausgabe des Gesangbuches vorrätig halten (Anmerkung: viele blinde, die Braille lesen, sorgen selbst für elektronische Möglichkeiten)
  • Ansage von Liedern
  • Ansage der spezifischen Gewohnheiten beim Abendmahl
  • Hilfe anbieten durch die Gemeinde
  • zum Platz bringen (Vorschlag: Aufgabe der Konfirmanden)

Allgemeines:

  • Förderung der Sensibilisierung für die Gruppe der Sehbehinderten z.B. im Besuchsdienstkreis
  • Angebot für Schulungen
  • bei geplanten Ausstellungen und ähnlichen Dingen die Gruppe der Sehbehinderten bedenken

Zum Seitenanfang

„Es ist normal, verschieden zu sein“ - EKD Orientierungshilfe

Die Orientierungshilfe des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unter dem Titel „Es ist normal verschieden zu sein. Inklusion leben in Kirche und Gesellschaft“ ist Anfang 2015 endlich erschienen. Das Thema Inklusion wird hier in fünf Kapiteln entfaltet: Inklusion wird zunächst als Paradigmenwechsel beschrieben, dann werden theologische Orientierungen zur Inklusion vermittelt, grundlegende Aufgaben benannt und an verschiedenen Handlungsfeldern konkretisiert, um schließlich Chancen von Inklusion für Kirche und Gemeinde aufzuzeigen.

Weitere Informationen und Bezugsquellen auf dieser Homepage und unter www.ekd.de/inklusion-leben.

Eine Hörausgabe können Sie über Medibus bei den Blindenhörbüchereien hier entleihen.

 

Orientierungshilfe Ev. Kirche im Rheinland

„Da kann ja jede(r) kommen – Inklusion und kirchliche Praxis. Eine Orientierungshilfe der Evangelischen Kirche im Rheinland“, herausgegeben von der Abteilung Bildung im Landeskirchenamt und dem Pädagogisch-Theologischen Institut der EKiR.

Diese Orientierungshilfe hat sich zur Aufgabe gemacht, das aktuelle gesellschaftspolitische Leitthema „Inklusion“ auf die Kirche zu beziehen. Außerdem versteht sie sich als Arbeitsbuch, da ein ausführlicher Fragenteil eine Auseinandersetzung mit der Thematik ermöglicht.

Die Orientierungshilfe kann hier als pdf eingesehen werden.

Hintergründe

Auch auf der Homepage gibt es noch weitere Informationen.